Kalla Malla
Written on 7/9/2016
Die wohl bekannteste Horror Antologie der letzten Jahre geht in die dritte Runde. War der erste Teil "V/H/S" durchaus sehenswert, setze "S-V/H/S" für mich noch einen drauf. Schuld daran war vorallem das Segment "Save Heaven", welches unter anderem von Gareth Edwards, seines Zeichens Regisseur von den "The Raid" Filmen, realisiert wurde. Diese Episode war mit das Spannendste, was mir damals zum Release des Filmes über die Mattscheibe gerutscht ist und hat gezeigt, dass das Found Footage Prinzip selbst heutzutage, wo nahezu jeder zweite Horrorfilm im Kino mit verwackelter Kamera nervt, noch neue Impulse setzen kann. An Ti West ging das scheinbar auch nicht spurlos vorbei, denn dieser drehte kurz darauf mit "The Sacrament" einen recht ähnlichen Spielfilm, der zwar durchaus auch seine Stärken hatte, aber gegen die Konsequenz von "Safe Heaven" doch den Kürzeren zog.
"V/H/S - Viral" enthält (zumindest in der limitierten Mediabook Fassung) erneut 4 Episoden, welche durch eine Rahmenhandlung mehr oder minder zusammengehalten werden. Auf ein wirkliches Highlight wartet man hier aber vergebens, denn der dritte Teil der "V/H/S" Reihe liefert vorallem uninspirierte und halbherzig heruntergekurbelte Beiträge ab:
Die völlig hektische Rahmenepisode "Vicious Circles" ist Stakkatoschnitt in Reinkultur. Eine wirkliche Verbindung zu den anderen Beiträgen muss man mit der Lupe suchen; etwas, mit dem die anderen beiden "V/H/S" Filmchen auch schon zu kämpfen hatten. Jedoch waren deren Rahmenhandlungen zumindest grundlegend wirksam.
Mit "Dante The Great" geht die erste richtige Episode an den Start. Ein Zauberer kommt in Besitz eines Umhangs, der ihm echte magische Kärfte verleiht. Nur leider benötigt dieser Menschenfleisch um zu funktionieren. Ein paar dargestellte Zaubertricks sind von den Effekten her ganz gut gelungen, doch ansonsten krankt diese Episode an der völlig lächerlich wirkenden Grundstory. Found Footage ist das auch nicht mehr, denn in den meisten Fällen ist dieses Segment "normal" gedreht worden... aber trotzdem verwackelt wie das "Blair Witch Projekt".
Der nächste Filmabschnitt "Parallel Monsters" erzählt die Geschichte eines Tüftlers, der eine Parallelwelt öffnet und für ein paar Minuten die Plätze mit seinem dort lebenden Ich tauscht. Wirkt von der Handlung wie eine langweilige Mischung aus "From Beyond" und "Twilight Zone", nur leider ohne tolle Effekte. Faszination für das Thema kommt auch hier nicht auf, da ich dauernd den Eindruck hatte, dass man zu angestrengt versucht hat, aus dieser nichtigen Idee noch krampfhaft etwas Gutes herauszubekommen. Die Kamera wackelt wie bekloppt und mir fiel bei diesem Kurzfilm scheinbar echt das Hirn aus. Ist völlig an mir vorbeigezogen.
Mit "Bonestorm" hat man dann auch endlich etwas für die Gorefraktion zu bieten, denn hier darf gemetzelt werden. Eine Gruppe Skateboarder stolpert in Mexico über ein altes Ritual irgendwelcher Priester und muss sich gegen die zur Wehr setzen. Diese Episode hat, bei all ihrer inhaltlichen Dumpfheit, noch am ehesten das Prinzip von "V/H/S" verstanden. Natürlich glaubt keiner mehr an die Echtheit solcher Filme, aber genau wie damals beim ersten "V/H/S" Teil, besinnt man sich hier darauf, eine Alltagssituation darzustellen, die mies aus dem Ruder läuft. Für mich das Highlight des Filmes, aber aufgrund fehlender Spannung, der nervigen Protagonisten und des Fehlen eines Twists, trotzdem so flach, dass ich mich nur schwer dafür begeistern konnte.
Wer im Besitz des Mediabooks ist, bekommt am Ende mit "Gorgeous Vortex" noch eine Episode präsentiert. Aufgrund von Zeitmangel nie richtig fertiggestellt worden, fehlt dieser Beitrag auf der deutschen FSK 16 Fassung. Entgegen vieler Gerüchte liegen hierfür keine Zensurgründe vor. Nach dem Anschauen drängt sich mir eher die Frage auf, ob das Herausschneiden nicht einfach den Produzenten geschuldet war. "V/H/S Viral" liefert trotz seiner Ideenlosigkeit ein recht hohes Tempo ab. "Gorgeous Vortex" hingegen sticht mit seinem künstlerischen Anspruch, dem Fehlen jeglicher Dialoge und der doch recht vertrackten Story zu sehr aus dem Filmrhythmus heraus.
"V/H/S - Viral" enttäuscht auf ganzer Linie. Inhaltlich null zusammenhängend und inszenatorisch zu sehr bemüht, ist es ein einziges Flickwerk, bestehend aus vier Kurzfilmen und einer "Rahmenhandlung". Keine Episode mag positive herausstechen oder dem Zuschauer irgendwie im Gedächtnis bleiben. Dann doch lieber die Konkurrenz in Form von "ABCs Of Death 1 + 2" in den Player werfen. Dort geht das Prinzip von verschiedenen Kurzfilmen aufgrund inszenatorischer Freiheiten wenigstens auf.