Marlon
Written on 6/3/2026
Mit dem **Anaconda-Reboot** hat Regisseur Tom Gormican einen überraschenden Weg eingeschlagen, den nach den zahllosen billigen Fortsetzungen des Kult-Klassikers von 1997 wohl niemand erwartet hätte. Statt eines plumpen Remakes oder eines weiteren ernsten Tier-Horrorfilms liefert diese Version eine clevere, selbstironische Meta-Actionkomödie ab. Der Film nimmt sich selbst zu keinem Zeitpunkt ernst und schafft es genau dadurch, den staubigen Geist des Originals mit einer modernen und verdammt unterhaltsamen Note wiederzubeleben.
Die Geschichte dreht sich um eine Gruppe von Freunden in der Midlife-Crisis, die beschließen, tief im Amazonas-Regenwald ein Low-Budget-Indie-Remake ihres geliebten Jugendfilms Anaconda zu drehen. Was als chaotisches, aber harmloses Filmprojekt beginnt, wird jedoch bitterer Ernst, als am Set plötzlich eine echte, gigantische Riesenschlange auftaucht. Die Grenze zwischen den fiktiven Filmszenen und dem realen Überlebenskampf verschwimmt extrem schnell, und das Team muss sich nicht nur gegen das prähistorische Monster, sondern auch gegen kriminelle Goldgräber zur Wehr setzen. Das Drehbuch nutzt dieses Chaos für jede Menge gelungene Running Gags und clevere Anspielungen auf das Film-Business, auch wenn die Story gegen Ende ein wenig sprunghaft wird.
Das absolute Herzstück des Films ist das grandiose Zusammenspiel von Jack Black und Paul Rudd. Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern funktioniert ab der ersten Sekunde perfekt. Jack Black bringt seine gewohnte, herrlich überdrehte Energie als exzentrischer Regisseur ein, während Paul Rudd den perfekten, leicht verzweifelten Gegenpart liefert. Unterstützt werden die beiden von einem spielfreudigen Cast rund um Steve Zahn und Thandiwe Newton, und sogar ein genialer Cameo-Auftritt von Ice Cube sorgt für echte Nostalgie-Momente. Handwerklich ist der Film ein solides zweischneidiges Schwert. Die Dschungel-Kulissen und die Actionszenen sind hochwertig inszeniert, aber die computergenerierte Schlange sieht in einigen Einstellungen leider immer noch ziemlich künstlich aus. Das bricht die Spannung zwar ab und zu, passt aber ironischerweise fast schon wieder zum trashigen Erbe des Originals.
Am Ende ist **Anaconda** ein extrem spaßiger Popcorn-Film, der die perfekte Balance zwischen Nostalgie, Comedy und Creature-Feature trifft. Wer hier einen nervenaufreibenden, realistischen Survival-Thriller sucht, wird definitiv enttäuscht werden. Wer sich aber auf den humorvollen Meta-Ansatz einlässt und Bock auf ein bestens gelauntes Star-Ensemble im Dschungel hat, bekommt hier ein richtig starkes Unterhaltungspaket geschnürt. Für Fans des reinen, ernsten Horrors bleibt das Ganze eine Vier von Zehn, aber für alle, die eine perfekt balancierte Actionkomödie mit viel Herz und Humor suchen, ist der Film eine absolut verdiente Sieben von Zehn.